Neurodermitis, Allergien und Intelligenz

Seit knapp zehn Jahren befasst sich Cornelia Klioba, Referentin für Freie Aufgaben im Vorstand der DGhK e.V. (Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind), mit dem Thema „Hochbegabung“.

Ihr sind viele hochbegabte Allergiker oder Neurodermitiker begegnet. In zahlreichen Gesprächen stellte sich immer wieder die Frage: Gibt es Hochbegabte ohne Allergien? Oder ist Neurodermitis vielmehr eine Streber-Krankheit?

Dieser gefühlte Zusammenhang wird von vielen Kinderärzten noch als nicht wissenschaftlich belegt zurückgewiesen. Eltern hochbegabter Kinder stellen ihnen jedoch eine eigene These entgegen: Sind „Höherbegabte“ aufgrund der vielen Reize, die sie verarbeiten müssen, ihrer Umwelt gegenüber empfindlicher?

Merkmale von Hochbegabung

Welche sind die Merkmale einer Hochbegabung? Zuallererst denkt man dabei an einen IQ von mindestens 130, ein Wert, der von 2% der Bevölkerung überschritten wird. Hochbegabte zeigen in der Regel ein Spektrum charakteristischer Eigenschaften wie beispielsweise: hohe Intelligenz, divergentes (abweichendes) Denken sowie hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit in Denkprozessen, ausgeprägte Neugierde und Experimentierfreudigkeit, besondere Kreativität, viel Energie und Enthusiasmus.

Voraussetzung für die Entwicklung einer Hochbegabung sind die „overexcitabilities“ (OE), übersetzt als „hohe Sensibilität der Sinne“; die „sensorische OE“, die sich in der Unverträglichkeit bestimmter Textilien und Nahrungsmittel, Gerüche und Geräusche ausdrücken kann; „Emotionale OE“, welche die Fähigkeit zu Intensität, Sensibilität und Empathie im Sinne der emotionalen Spannungen bezeichnen.

Hochbegabung und Psychosomatik

Wie Frau Klioba weiter beschreibt, steigt mit einer Hochbegabung die Wahrscheinlichkeit emotionaler Intensität und Verletzbarkeit. Die Kinder erleben sich oft als falsch, als wäre etwas mit ihnen nicht in Ordnung, schreibt die Autorin. Aus verschiedenen Gründen sind hochbegabte Kinder verstärkt stressanfällig und erleben Stress in Situationen, die andere als nicht belastend empfinden. Emotionale Anspannungen bei solchen Kindern äußern sich öfters mit einer psychosomatischen Komponente, die sich in unterschiedlichen Symptomen manifestiert: nervöser Reizmagen, Veränderungen des Herzschlages, massive Kopfschmerzen sowie zunehmende Beschwerden des Ekzemes.

Hochbegabung und Intelligenz

Die verschiedenen Stressebenen

Stresserleben findet auf mehreren verschiedenen Ebenen statt: auf der körperlichen, der kognitiven sowie der emotionalen Ebene. Die Wahrnehmung körperlicher Anspannung löst die gedankliche Suche nach der Ursache der Erregung aus. Entscheidenden Einfluss haben dabei die begleitenden Gefühle und Erwartungen. All dies ist miteinander verwoben, kann sich aufschaukeln und in einem Teufelskreis münden.
Über die Wechselwirkung zwischen Stress und dem Immunsystem existieren bereits zahlreiche Studien, schreibt die Autorin. Es wird vermutet, dass Stress in der Kindheit das Allergierisiko erhöht und schon leichter Stress die körperliche Reaktion auf Allergene verstärken kann.

Allergische Erkrankungen und ADS

Aus dem Bereich der Psychoneuroimmunologie kommt die Beobachtung, dass z.B. Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) im Vergleich zu Kindern ohne ADS doppelt so häufig an einer allergischen Erkrankung leiden. Der hier durch Verhaltensauffälligkeiten ausgelöste psychische Stress schwächt die Abwehrkräfte. Es ist bekannt, dass bei einer Stabilisierung der Psyche die allergischen Symptome abnehmen oder gänzlich verschwinden. Es kommt zu einer Verbesserung der sozialen Einbindung sowie zum Aufbau eines positiven Selbstwertgefühls.

Bedürfnisse hochbegabter Kinder

Frau Klioba weist außerdem auf zwei weitere bedeutsame Aspekte bei hochbegabten Kindern hin. Für sie kommt es zusätzlich darauf an, auf ihre intellektuellen Bedürfnisse einzugehen, da zum Beispiel eine Unterforderung für sie bereits eine Stresssituation darstellt. Demgegenüber ist es aber gleichsam wichtig, auch hochbegabte Kinder nicht zu überfordern. Bezugspersonen neigen dazu, ausgehend von der schnellen intellektuellen Auffassungsgabe zu hohe emotionale Erwartungen an das Kind zu äußern.

Atopische Dermatitis und Intelligenz

Das e-Journal für Pneumologie berichtet: Patienten mit atopischer Dermatitis sind überdurchschnittlich intelligent. „Ihr Kind wird nie Probleme in der Schule haben“. Das macht die Eltern stolz und schon kann man über alles reden. Die Ursache ist allerdings offen: Führt atopische Dermatitis zu höherer Intelligenz? Oder liegt die Ursache darin, dass Eltern mit höherem IQ eine größere Wahrscheinlichkeit haben, Kinder mit atopischer Dermatitis zu bekommen.

Verschiedene Studien zeigen auch unterschiedliche Ergebnisse.

In einer nigerianischen Studie wurden beispielsweise zwei Gruppen von Kindern – mit und ohne atopischem Ekzem – untersucht und deren IQ verglichen. Im Ergebnis konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden.

Diese interessante Thematik stellt auch weiterhin ein großes Untersuchungsfeld dar. Wir würden uns freuen, wenn Sie mit uns weitere Information teilen würden: Haben Sie an einer experimentellen Studie teilgenommen, haben Sie etwas Neues gelesen oder können Sie aus eigener Erfahrung sprechen. Bitte schreiben Sie uns oder sprechen Sie uns an. Das Thema: Neurodermitis, Allergien und Intelligenz…

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